Factoring

Möglich ab 150.000 Euro Lieferforderungen

Eine Möglichkeit, wie Sie als Jungunternehmer Ihre Liquidität verbessern können, ist Factoring. Allerdings müssen Ihre laufenden Lieferforderungen für diese Finanzierungsalternative bei mindestens 150.000 Euro liegen.

Beim Factoring treten Sie einen Teil Ihrer Kundenforderungen an eine Factoring-Gesellschaft (den Factor) ab und bekommen dafür umgehend einen Teil (in der Regel etwa 80 Prozent) des Rechnungsbetrages ausgezahlt. Den Restbetrag erhalten Sie, wenn Ihr Kunde an die Factoring-Gesellschaft gezahlt hat. Natürlich ist dieses Finanzierungsinstrument nicht kostenlos.

Vom zu zahlenden Betrag zieht der Factor Zinsen für die Vorausfinanzierung der Forderungen (meist bankübliche Kreditzinsen) und eine zusätzliche Factoringgebühr ab. Diese Gebühr beträgt üblicherweise 0,2 bis 1,5 Prozent des Bruttoumsatzes und ist abhängig von

  • der Höhe des Factoringbetrages
  • der Anzahl der abgetretenen Forderungen und
  • den Lieferanten.

Factoring-Gesellschaften übernehmen in der Regel den gesamten Forderungsbestand Ihres Unternehmens. Meist können Sie dem Factor eine Reihe weiterer Dienstleistungen übertragen:

  • Mahn- und Inkassowesen
  • Bonitätsprüfung der Kunden
  • Fakturierung und Rechnungsversand
  • Debitorenbuchhaltung

1. Arten von Factoring

Factoring ist nicht gleich Factoring. So wird zwischen echtem und unechtem Factoring unterschieden:

  • Echtes Factoring
    Der Factor übernimmt nach Bonitätsprüfung das Delkredere-Risiko, d. h. das Risiko der Zahlungsunfähigkeit des Schuldners. Anders gesagt: Sie erhalten den Rechnungsbetrag selbst dann vom Factor überwiesen, wenn der Kunde nicht zahlt. Natürlich ist diese Risikoübernahme mit zusätzlichen Kosten verbunden.
  • Unechtes Factoring
    Der Factor übernimmt ausschließlich Inkasso-Aufgaben - also nicht das Risiko des Zahlungsausfalls.

Weiters wird zwischen offenem und stillem Factoring unterschieden:

  • Offenes Factoring
    Der Kunde wird von der Forderungsabtretung informiert.
  • Stilles Factoring
    Der Kunde erfährt von der Abtretung nichts.

2. Beurteilung Factoring

Ob Factoring eine geeignete Finanzierungsalternative ist, hängt von zahlreichen Faktoren ab, zum Beispiel von

  • der Unternehmensgröße
  • der Kundenstruktur
  • den Wachstumsplänen

Ob Factoring vorteilhafter ist als ein Bankkredit, können Sie erst beurteilen, wenn Sie erste Erfahrungswerte aus der Debitoren-Buchhaltung haben.

Vorteile

  • Liquiditätsvorteil durch früheren Zahlungseingang und damit verbesserte Zahlungsbereitschaft gegenüber den eigenen Geschäftspartnern.
  • Aufgrund des pünktlichen Zahlungseingangs können Sie klar kalkulieren.
  • Bei echtem Factoring: Übergabe des Zahlungsausfallsrisikos - vor allem bei Neugründungen können Zahlungsausfälle relativ schnell das Ende des Unternehmens bedeuten!
  • Entlastung von administrativen Tätigkeiten.
  • Da auch das Mahnwesen von der Factoring-Gesellschaft übernommen wird, bleibt Ihr Verhältnis zum Kunden eher unbelastet.

Nachteile

  • Factoring ist nicht möglich, wenn Sie mit Ihrem Kunden An- und Zwischenzahlungen vereinbart haben. 
  • Für die Zwischenfinanzierung sind allerdings wie bei anderen Finanzierungen auch Zinsen zu zahlen.
  • Für eventuelle Bonitätsprüfungen Ihrer Kunden müssen Sie meist eine Pauschale zahlen.
  • Nicht jedes Unternehmen kann seine Forderungen an einen Factor abtreten. Üblich ist Factoring vor allem in der Industrie und im Großhandel. Schwieriger haben es Dienstleister, die ihre Leistungen dem Factor genau definieren müssen.
  • In den meisten Fällen müssen Sie sich längerfristig an einen Factor binden.
  • Sie müssen Ihren gesamten Forderungsbestand abtreten. Eine Selektion ist nicht möglich.


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27.10.2016
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