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Auf die Idee kommt es an

Edel-Hamburger mit Pfiff

In bislang unerforschten Markt-Nischen warten noch viele Start-Rampen für neue, erfolgreiche Geschäftsideen. Barbara Kunze hat so eine Nische gefunden. Und lässt jetzt bessere Brötchen backen.

 

Ein schnöder Fast-Food-Klassiker wird auf kreative Weise in einen hochwertigen Slow-Food-Leckerbissen verwandelt. So oder so ähnlich lässt sich die durchaus bemerkenswerte Geschäftsidee von Barbara Kunze und Jan Bahr auf eine kurze Formel bringen. Seit gut zwei Jahren widmen die 26jährige Oberösterreicherin und der Deutsche – Kunze und Bahr sind auch privat ein Paar – all ihre Energie ihrem neuen Lokal "Die Burgermacher“ im siebten Wiener Gemeindebezirk. Die gute Nachricht gleich vorweg: Auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten ist offensichtlich gegen eine wirklich gute Idee und den unternehmerischen Ehrgeiz von Gründern und Gründerinnen nach wie vor kein Kraut gewachsen. Fast vom Start weg gehen die Kreationen der beiden Burger-Macher nämlich weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Die Zielgruppe? "Jeder, der bereit ist, auf einen frischen Burger zehn Minuten zu warten und für Qualität einen fairen Preis zu zahlen“, verriet Kunze dem Wirtschaftsmagazin unternehmerin.

 

Ketchup und Co mit Herzblut

Mit einem klassischen "Fleischlaberl“ zwischen weichen, zuckersüßen Brötchen-Hälften haben die Burger des Duos, das in der Wiener Burggasse inmitten der prosperierenden Spittelberg-Szene seine kulinarischen Zelte aufgeschlagen hat, allerdings nur wenig am Hut. Ihre Devise: "Alles was selbst gemacht werden kann, wird auch selbst gemacht.“ Zum Beispiel saisonale Pommes aus blauen Erdäpfeln, Mayonnaise oder Ketchup, das ebenfalls in Eigenregie nach einem eigens entwickelten Geheimrezept hergestellt wird. Versteht sich, dass auch das Vollkorn-Burger-Brot vom Biobäcker nach einer speziellen Rezeptur gebacken, das Fleisch von ausgesuchten österreichischen Kleinbetrieben (die Auswahl erfolgte in Blindverkostungen!) geliefert wird. Während künstliche Aromen und Konservierungsmittel naturgemäß tabu sind, stehen hochqualitative Zutaten und spannende Variationen des klassischen Burger-Themas ganz hoch im Kurs in dem kleinen Lokal, das gerade einmal Platz für 20 Gäste bietet. Im Monatsrhythmus wird die Speisekarte verändert und durch saisonale Produkte aufgewertet. Vom Lammfleisch- bis zum "Stinkekäse“- oder Tofu-Sesam-Burger reicht hier die Palette, auch Pferde- und Straußenfleisch werden schon einmal verarbeitet, und selbst einen Blunzen-Burger soll es schon einmal gegeben haben. Durstige Kehlen dürfen sich über 25 verschiedene und ständig wechselnde Biersorten freuen.

 

Universität des guten Geschmacks

 "Das Gen zur Selbstständigkeit ist mir wahrscheinlich nicht in die Wiege gelegt worden.“

"Ich habe mich schon immer für Essen begeistern können“, bringt Gründerin Barbara Kunze ihre Meta-Motivation für den doch beträchtlichen Arbeitsaufwand auf den Punkt. Satte 90 Arbeitsstunden pro Woche gilt es für das Duo zu bewältigen, unterstützt von zwei Aushilfen, abgefedert nur durch einige Urlaubs-Wochen zu Weihnachten und im Sommer. Der Weg ins Unternehmertum war für die Tochter eines Beamten-Ehepaars indes nicht wirklich vorgezeichnet gewesen. Kunze, lächelnd: "Das Gen zur Selbstständigkeit ist mir wahrscheinlich nicht in die Wiege gelegt worden.“ Dafür verschlägt es die Oberösterreicherin und ihren Partner nach dem BWL-Abschluss an der Uni Wien erst einmal nach Italien. Genauer gesagt nach Colorno bei Parma, an die "Universität für Gastronomische Wissenschaften“, wo die beiden ein einjähriges Postgraduate-Studium anhängen und einen "Master in Food Culture and Communications“ erwerben. Hier wird auch der Grundstein für die spätere Geschäftsidee gelegt: Während die Studierenden aus aller Herren Länder einander im Lauf des Studienjahres die Highlights ihrer regionalen Küchen kredenzten, vermisste die Oberösterreicherin schmerzlich die berühmte Segnung der US-Küche: saftige Hamburger.

 

Medienecho statt Marketing

Es kam wie es kommen musste. Der Deutsche und die Österreicherin nahmen den Kochlöffel selbst in die Hand und entwickelten sich zusehends zu Burger-Queen und Burger-King. Auch dass es in einer ausgesprochenen Fastfood-Domäne eine Marktlücke für kreative Burger geben könnte, schwante den beiden bald. Dennoch verschwindet die gute Idee erst einmal in einer Schublade, das Paar heuert bei einem Catering-Unternehmen als Einkäufer an. Nachdem sie den letztlich nicht befriedigenden Job gekündigt haben, wird die Schublade schließlich wieder geöffnet, die Suche nach einem geeigneten Lokal kann beginnen. Kaum ist das Lokal in der Burggasse gefunden, wird in Eigenregie bis tief in die Nacht renoviert. Nach der Eröffnung sorgen verschiedene Medienberichte von Beginn an dafür, dass die Gäste fast schon von selbst kommen und die ausgefeilten Marketing-Konzepte erst einmal im Talon bleiben können. Dafür kann es schon einmal vorkommen, dass am Ende eines langen Burger-Tages sogar die letzten Vorräte aufgebraucht sind. Kunze, pragmatisch: "Was frisch gemacht wird, kann auch ausgehen.“

 

Workshop statt Illusionen

"Ich war total beeindruckt, wie schnell das gegangen ist."

Und die Rahmenbedingungen? Die Gründung einer OG sei gar kein Problem gewesen, erzählt Kunze: "Ich war total beeindruckt, wie schnell das gegangen ist. Ich habe mir das viel mühevoller vorgestellt.“ In der Vorbereitungs-Phase wird begleitend der eintägige Workshop des Gründerservice der Wirtschaftskammer absolviert. Einen der wesentlichen Vorteile dieses Angebots sieht Kunze unter anderem darin, dass unrealistische Vorstellungen zurecht gerückt würden: "Es gibt viele Leute, die gerne Chef spielen wollen, aber nicht bereit sind, in ihrem eigenen Betrieb mitzuarbeiten.“ Die 26jährige: "Man soll sich keine Illusionen machen und muss sich darüber im Klaren sein, dass man sich als Gründer – zumindest in den ersten Jahren – um jede Kleinigkeit selbst kümmern muss. Gründer oder Unternehmer ist man entweder ganz oder gar nicht.“ Nachsatz: "Ein Unternehmen ist nur so gut, wie der Gründer selbst bereit ist, sein Herzblut hineinzustecken.“ Eben ganz so, wie es die beiden Jungunternehmer in der Burg(er)gasse vorleben.

 

 

Die Burgermacher

Bahr & Kunze OG

Burggasse 12, 1070 Wien

Tel. 0699/11589599

info@dieburgermacher.at

http://www.dieburgermacher.at/