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Es war seit meiner Kindheit klar, dass ich den Betrieb übernehmen werde

Nachfolge ist süß

Eine alte Café-Konditorei in jungen Händen: Wie Thomas Hagmann und sein Vater die Staffel-Übergabe im Familienunternehmen organisiert haben.

 
Sein oder Nicht-mehr-Sein – das ist auch in Österreichs KMU-Landschaft nicht selten die Frage der Fragen. Wenn ein Unternehmer seiner wohl verdienten Pension entgegensteuert oder aus anderen Gründen einen Betriebsnachfolger sucht, steht nämlich naturgemäß sehr viel auf dem Spiel. Werden der oft aufopfernde Einsatz, all die kreativen Ideen, die enormen Investitionen auch in Zukunft Früchte tragen? Faktum ist: Betriebsübernahmen haben im Vergleich zu Neugründungen eine Reihe von Vorteilen, die durchaus schwer wiegen: Know-How, Kundenstock, Belegschaft und viel Erfahrung sind in aller Regel reichlich vorhanden und warten nur darauf, gewinnbringend in die Zukunft geführt zu werden. Das gilt natürlich auch und besonders für Familienunternehmen. Aber Vorsicht: Wenn der Vater mit dem Sohne … sind auch die potentiellen Konflikte gelegentlich nicht ohne.
 

Absolutes Vetorecht

"Es war seit meiner Kindheit eigentlich klar, dass ich den Betrieb übernehmen werde“, erzählt Thomas Hagmann*. Gemeinsam mit seinem Vater Karl-Heinz und seiner Mutter Margit ist er der lebende Beweis dafür, dass eine Staffel-Übergabe zwischen den Generationen jedenfalls das Potential hat, zu einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten zu werden. Zwar hätte es keine "explizite Planung“ gegeben, dafür aber ein ausgeprägtes Gespür und weitgehende Rücksichtnahme auf die sich entwickelnden Pläne des Junior-Chefs. Thomas Hagmann, heute 36 Jahre alt: "Bei Investitionen oder Entscheidungen, die weit in die Zukunft gegangen sind, hatte ich immer ein absolutes Vetorecht.“ Gleich nach der Matura im Jahr 1992 hatte Hagmann 50 Prozent der GmbH-Anteile von seiner Großmutter übernommen, der Vater blieb aber vorerst Geschäftsführer.
 

Kremser Kaffee

Das Haus kann indes auf eine lange Tradition verweisen: Bereits seit 1836 existiert im Herzen der Stadt Krems ein Kaffeehaus, und auch mehr als 160 Jahre später ist die Café-Konditorei – seit dem Jahr 1976 im Besitz der Hagmanns – noch immer eine geschätzte Institution der Donaustadt. Ebenfalls seit über eineinhalb Jahrhunderten erfreut die hier erzeugte "Original Wachauer Schokolade“ die Gaumen (nicht nur) der Kremser. Mittlerweile gehört auch ein Eissalon zu dem Betrieb, der rund 40 Mitarbeiter beschäftigt und durch kontinuierliche Betriebserneuerungen und Umbauten auf der Höhe der Zeit ist. Der Lohn der Mühe: 2001 wurde die Café-Konditorei Hagmann vom Gault Millau als beste Konditorei in Niederösterreich mit der "Goldenen Kaffeebohne“ ausgezeichnet.
 

Glück oder Mediator?

Ein Jahr zuvor – just zur Jahrtausendwende – hatte Thomas Hagmann gleich zwei wichtige Meilensteine erfolgreich passieren können: Dem Studienabschluss (Magister der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften) war im November 2000 die formelle Übernahme der Geschäftsführung gefolgt. Zwei Jahre später wurde der Lebenslauf durch die Konditor-Meisterprüfung perfektioniert, 2004 an der Donau-Universität Krems als Draufgabe ein Master of Science (Qualitätsmanagement) erworben. Die perfekte Karriere mit der perfekten Planung also? Wohl ja. Wenn auch nicht unbedingt in allen Belangen. Hagmann: "Ich muss sagen, dass wir Glück gehabt haben, uns als Familie so gut zu verstehen.“ Großes Aber: "Mit der Lebenserfahrung von heute würde ich diesen Prozess mit einem Mediator bestreiten. Nur um "Mit der Lebenserfahrung von heute würde ich diesen Prozess mit einem Mediator bestreiten." hundertprozentig sicher zu gehen und keine Fehler zu machen.“ Schließlich würden Erwartungshaltungen und Vertrauen hier eine zentrale Rolle spielen. Hagmanns Tipp für angehende Nachfolger: "Es ist einfacher, gewisse Dinge über einen Dritten auszudiskutieren, als emotional zu zweit.“
 

Das Unternehmer-Gen

Bleibt die Frage nach der grundsätzlichen Motivation zu Selbstständigkeit und unternehmerischer Verantwortung. "Ich schätze, ich bin genetisch vorbelastet ein Unternehmer zu sein“, formuliert Hagmann mit einem Lächeln auf den Lippen. Schon in seinen "Wanderjahren“ hätte er bemerkt, dass "ich von der Veranlagung her ein Unternehmer bin. Ich war immer innerhalb kurzer Zeit in einer natürlichen Führungsrolle.“ Andererseits "habe ich mich dadurch aber auch selbst unter Druck gesetzt und mir hohe Ziele auferlegt“, resümiert der junge Unternehmer heute. "Ich hoffe, wir können noch lange so gut zusammenarbeiten.“Gut, dass die Eltern nach wie vor engagiert Hand anlegen. Thomas Hagmann über seinen Vater, Kommerzialrat Karl-Heinz Hagmann: "Da ich mich sehr um den Verkauf und die Produktentwicklung gekümmert habe, ist er natürlich der Fachmann im Hintergrund, der mir oft den Rücken freihält.“ So würde der Senior beispielsweise den Sonntagsdienst übernehmen und "in gewissen Bereichen den nötigen Druck“ erzeugen. Der Junior: "Ich hoffe, wir können noch lange so gut zusammenarbeiten.“
 

Gründerservice & viel Schlaf

Und auch gute Beratung dürfte wohl ein Teil der erfolgreichen Nachfolge-Story sein. Speziell in gewerberechtlichen und fachlichen Fragen konnte auf das umfangreiche Service-Angebot und die Beratung der Wirtschaftskammer zurückgegriffen werden. Daneben standen Hagmann ein Steuerberater sowie ein Rechtsanwalt, beziehungsweise ein Notar für die Abwicklung der Übergabe, zur Seite. Ist die Café-Konditorei Hagmann also ein Musterbeispiel für eine "Man muss oft darüber schlafen. Und sich früh genug mit dem Gedanken einer Übernahme auseinander setzen.“ harmonische und vor allem erfolgreiche Betriebsnachfolge? Wahrscheinlich ja. Geht eine Übergabe immer so glatt und friktionsfrei über die Bühne? Wohl nicht. In solchen Fällen ist ausreichend Zeit ("ein, zwei Jahre für Anpassungen, Ideen und Änderungen sind hier unbedingt nötig“) essentiell, findet Thomas Hagmann. Sein abschließender Rat an Unternehmer mit Nachfolge-Ambitionen: "Man muss oft darüber schlafen. Und sich früh genug mit dem Gedanken einer Übernahme auseinander setzen.“ Anders formuliert: Gut vorbereitet schmeckt Nachfolgen wirklich süß – sogar ohne Schokolade.
 
 
* Mag. Thomas Hagmann, MSc ist Geschäftsführer der Café-Konditorei Hagmann GmbH.
 
 
Kontakt:
Café-Konditorei Hagmann GmbH
Untere Landstraße 8
3500 Krems/Donau
Tel.: +43(0)2732/83167
Fax: +43(0)2732/83167-15