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Salon für Kreativität

Eine Juristin findet Zufriedenheit in der Selbstständigkeit

Wie Belinda Jahn aus einem kreativen Hobby eine Geschäftsidee gebastelt hat.

  

Alle Wege führen nach Rom, aber in Linz beginnt’s. So oder so ähnlich könnte man den bisherigen beruflichen Werdegang der gebürtigen Oberösterreicherin Belinda Jahn mit einem Augenzwinkern zusammenfassen. Denn der Weg der heute 36-jährigen in die Selbstständigkeit folgte keineswegs immer den naheliegenden Pfaden. Und führte über Stationen in Wien und Niederösterreich am Ende zurück in die oberösterreichische Heimat, eben nach Linz. Nur zwei Dinge waren irgendwie schon immer da gewesen: die Vorliebe für Handarbeit. Und die Affinität zum Unternehmertum. Belinda Jahn hat nämlich die berufliche Selbstständigkeit quasi schon mit der Muttermilch aufgesogen. Hintergrund: „Mein Vater war sein ganzes Berufsleben lang selbständig und hatte ein Geschäft.“ Die Tochter allerdings studiert erst einmal in Wien Rechtswissenschaften und spezialisiert sich auf Medizinrecht. Daraus resultiert ein Job bei der niederösterreichischen Patienten- und Pflegeanwaltschaft, bei dem es vor allem um außergerichtliche Konfliktlösung im Gesundheitsbereich geht. 2009 dann die Rückkehr nach Oberösterreich, wo die Juristin in einer Beratungsstelle für von häuslicher Gewalt Betroffene arbeitet.

 

Wunderbare Walzen

Doch neben der Juristerei ist die junge Oberösterreicherin auch vom Handwerk fasziniert und „immer schon“ auch selbst handwerklich tätig. Das Bekenntnis der Akademikerin: „Ich habe bemerkt, dass mir diese Art des Arbeitens sehr entspricht.“ Als Belinda Jahn eines Tages auch noch die alten Struktur-Musterwalzen ihres Großvaters entdeckt, entflammen Leidenschaft und Interesse so richtig. Mit den alten Schätzen der Familie bedruckt sie zwar keine Wände wie einst der Opa, dafür aber Papier, Karton, Holz und Textilien. Doch

Ich habe bemerkt, dass mir diese Art des Arbeitens sehr entspricht

irgendwann sprengt all das den Rahmen „eines bloßen Hobbys“, wie Jahn lächelnd erzählt. Dazu kommen Erinnerungen aus der Kindheit und an das Geschäft des Vaters: „Schon als Kind habe ich aus nächster Nähe erlebt, was das für ein Leben ist.“ Bei allen Schwierigkeiten nimmt sie für sich vor allem die positiven Aspekte daraus mit. Jahn heute: „Das war sicher ein Faktor bei meinem Entschluss zur Selbständigkeit.“ Schon seit jeher liebt die Juristin zudem auch Kunst- und Designmärkte samt all der feinen Sachen, die dort feilgeboten werden. Und schon keimt die erste Knospe einer neuen Geschäftsidee:

 

Bunter Vogel hebt ab

Wie wäre es, wenn all diese Dinge nicht nur punktuell und quasi per Zufall zu haben wären, sondern jederzeit in einem „richtigen“ Geschäft mit fixen Öffnungszeiten? Gesagt, getan. Im Oktober 2013 gründet Jahn ihr Unternehmen, der „Salon Buntspecht“ in der Linzer Herrenstraße öffnet seine Pforten. Während der Name „Buntspecht“ eher ein Zufallsprodukt sein dürfte, ist das Konzept gründlich überlegt: Neben der Chefin selbst können auch andere Kreative im Salon ihre Unikate – allesamt „handmade in Austria“ – angemessen

Produktbild Jahn

präsentieren. Sprich: Der Salon Buntspecht wird so etwas wie eine Schnitt- und Nahtstelle für Handgemachtes. Die Suche nach externen Ausstellerinnen und Ausstellern sei übrigens erstaunlich rasch von Erfolg gekrönt gewesen, so die Gründerin. Und: „Bis heute freue ich mich über den großen Andrang von Kreativen, die einen Verkaufsplatz in meinem Geschäft mieten möchten.“ Augenblicklich vertreibt der Salon Buntspecht etwa 1000 verschiedene Artikelgruppen von rund 45 Kreativen, so die stolze Chefin. Zusatzvorteil: Diese rühren naturgemäß auch die Werbetrommel für den Salon. Die Produktpalette reicht von Upcycling-Leckerbissen wie Gürteln aus alten Fahrradschläuchen, Armreifen aus Besteckteilen oder Etagèren aus alten Tellern über außergewöhnlichen Design-Schmuck bis hin zu süßen Jersey-Mützen für Kinder und Babys.

 

Businessplan & Beratung

Parallel zu den Angeboten der wechselnden Aussteller arbeitet Belinda Jahn aber auch stets am Ausbau ihres eigenen Produktsortiments: „Ich produziere bewalzte Papiere, die ich bogenweise als Geschenkpapier oder in Form von stabilen Kartonboxen verkaufe. Weiters stelle ich Upcycling-Billets aus alten Buchseiten oder Landkarten sowie in letzter Zeit auch allerlei Stempel her.“ Doch die Jungunternehmerin wird nicht müde zu betonen: Dass die Dinge heute so gut laufen, ist vor allem auch der professionellen Vorbereitung zu verdanken. Jahn: „Ich habe das Gründerservice in mehrfacher Hinsicht in Anspruch genommen.“ Und zwar sowohl in Form des beliebten Gründer-Workshops zu Beginn über die Beratung am Schalter bis hin zu einem Einzelcoaching. Ihr Fazit: „Alle diese Angebote waren unkompliziert wahrzunehmen, ich habe sie als sehr hilfreich empfunden.“ Einen Businessplan hat die studierte Juristin im Vorfeld ebenfalls geschrieben, und heute ist sie „sehr froh, dass ich meine Ideen und die dazugehörenden Zahlen vorab so konkretisiert“ habe. Auch nicht schlecht: Jahn konnte die Anfangsinvestitionen vollständig aus Eigenmitteln finanzieren.

 

Gute Ideen, konkrete Zahlen

In letzter Zeit war die Programmierung einer eigenen Software für Verkauf und Abrechnung mit den Ausstellern ein wichtiger Meilenstein für das Unternehmen. „Das entlastet mich zeitlich enorm“, freut sich die Chefin. Und auch ein weiterer zentraler Teil ihres Gründungs-Konzepts – einschlägige Workshops und Kurse – sind heute nicht mehr aus dem Salon Buntspecht wegzudenken. Jahns Kunden sind übrigens „mehrheitlich weiblich“ und teilen mit der Gründerin den Sinn für Nachhaltigkeit und bewussten Konsum. Wer jetzt auf den Gründer-Geschmack gekommen ist, für den und die hat Belinda Jahn einen wichtigen Rat auf Lager:

Nachhaltig ist das alles nur, wenn ich mich auch wieder regenerieren kann.

Entscheidend sei vor allem, die „Vorbereitungsphase ernst zu nehmen und die guten Ideen mit konkreten Zahlen“ zu verbinden. Die Zufriedenheit im Salon Buntspecht ist indes spürbar: „An Ideen hat es mir noch nie gemangelt, jetzt habe ich die Möglichkeit, sie im wirtschaftlichen Kontext zu erproben.“ Und einen letzten Tipp für die Zeit nach der „heißen“ Gründungsphase hat Belinda Jahn auch noch: „Ich bin bereit, viel für meine Selbständigkeit zu investieren. Aber nachhaltig ist das alles nur, wenn ich mich auch wieder regenerieren kann.“ Anders gesagt: „Ich habe nach wie vor noch ein Leben neben meiner Arbeit.“

  

Salon Buntspecht

Belinda Jahn

Herrenstraße 48

4020 Linz

0680 1124291

office@salon-buntspecht.at

www.salon-buntspecht.at, www.facebook.com/Salon.Buntspecht