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Spielerische Übergabe

Eine Übergabe wie aus dem Lehrbuch sichert den Bestand einer Linzer Institution. Und sie trägt die Handschrift einer ganz besonderen Unternehmer-Persönlichkeit.

 In Linz beginnt’s. Auch an diesem Morgen. So wie der Dom und die Donau gehört auch er zu dieser Stadt. Franz Rieger, ein Geschäftsmann, den in der Landeshauptstadt wirklich fast jedes Kind kennt, und das im wahrsten Sinn des Wortes. Kein Wunder: Der rüstige Fast-80er ist eine Institution in einer Branche, die vor allem Junge und Junggebliebene begeistert: Spielwaren. Auch an diesem Morgen ist Rieger wieder mit seinem schwarzen Steyr- „Ich komme jeden Tag in der Früh um halb acht, sperre auf, schaue was los ist." Waffenrad in „sein“ Geschäft – es trägt auch heute noch den Namen des Gründers Heinrich Beyerl aus dem Jahr 1900 – geradelt: „Ich komme jeden Tag in der Früh um halb acht, sperre auf, schaue was los ist. Und um halb zehn verroll’ ich mich wieder.“ Und das mit gutem Gewissen: Bereits vor 15 Jahren hat Rieger, der seinerseits das Unternehmen 1973 übernommen hatte, an seine Tochter Maria Pichl übergeben.


Alliierte, Palmers, Greißlerei

„Wir sind einer der wenigen Betriebe, wo das wirklich hervorragend funktioniert hat“, freut sich Pichl heute. So gut, dass der Senior auch heute noch gern gesehen ist – und gerne kommt. Die 45jährige: „Er sperrt mir in der Früh das Geschäft auf. Das ist sehr gut, weil ich einen kleinen Sohn habe, den ich in der Früh in den Kindergarten bringen muss. Und er macht im Hintergrund noch immer die Buchhaltung.“ Gelernt hat der heute 79jährige seinen Job an ziemlich unterschiedlichen Verkaufs-Fronten. Nach der HAK-Matura geht Rieger zu den alliierten US-Streitkräften, die ihn für ihren Militärmarkt („Post Exchange“) in einem Flugzeughangar in Linz-Hörsching anheuern. Nach zwei Jahren ist der junge Oberösterreicher Store Manager und macht danach sieben Jahre lang beim Textilkonzern Palmers Karriere, auch in Deutschland. 1959 kehrt Rieger nach Linz zurück, übernimmt die Greißlerei seines Vaters und eröffnet 1966 noch ein weiteres Lebensmittel-Geschäft. Spannend: Bereits damals reist der Linzer in die USA und macht sich ein Bild von der wachsenden Konkurrenz, die kleinen Geschäften durch große Supermärkte droht. Die Folge: „Ich habe immer gesagt, ich muss weg von der Lebensmittel-Branche.“

 „Wir verkaufen Freude“

1973 bietet sich die Gelegenheit dazu – und Rieger lässt ab sofort die Spielzeug-Marionetten tanzen. Über 20 Jahre führt er den Traditionsbetrieb, der auch heute noch großen Spielzeug-Ketten erfolgreich die Stirn bietet. Wesentlich dafür sei ein unverwechselbares Sortiment, die Lage in der Linzer Landstraße und die freundliche, persönliche Begegnung mit dem Kunden. O-Ton Rieger: „Wir verkaufen keine Ware, wir verkaufen eigentlich nur Freude.“ So wie im Fall des alten Mannes, dessen einziger Enkelsohn sich über die kleine Dampfmaschine aus dem Hause Beyerl einfach viel mehr gefreut hat als über alle anderen „Toys“. Doch der „Wir verkaufen keine Ware, wir verkaufen eigentlich nur Freude.“ beliebte Seniorchef mit den markanten weißen Latzhosen („In die haben mich damals die Amerikaner gesteckt, und die trage ich heute immer noch.“) kannte auch seine Grenzen: „Als Verkäufer steht man auf einer Bühne, muss Schauspieler sein, egal was kommt. In meinem Alter ist das schon sehr problematisch, ab 70 wird ein Verkäufer immer wieder einmal grantig.“ Logische Konsequenz: 1996 – mit 65 Jahren – übergibt Rieger die Spielzeug-Stafette an seine Tochter Maria Pichl. „Es war immer schon klar, dass sie das Geschäft übernimmt.“

Rosen statt Reibereien

„Die Übergabe hat sehr gut funktioniert“, unterstreicht die nunmehrige Herrin über zehn MitarbeiterInnen, 200 Quadratmeter Verkaufsfläche. Pichl: „Wir hatten den Vorteil, dass wir schon vorher über zehn Jahre miteinander gearbeitet haben. Ich bin gleich nach der Schule ins Unternehmen eingestiegen, und mein Vater hat es gleich gut verstanden, sich relativ schnell zurückzuziehen.“ Der bestätigt das: „An dem Tag, wo ich meiner Tochter das Geschäft übergeben habe, bin ich sofort zwei Schritte zurück gegangen. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn die Alten den Jungen ständig dreinreden.“ Wenn die Tochter gefragt „An dem Tag, wo ich meiner Tochter das Geschäft übergeben habe, bin ich sofort zwei Schritte zurück gegangen." habe, hätte sie aber natürlich auch Antworten bekommen. Dennoch hatte diese von Anfang an das Heft fest in der Hand. Rieger: „Sie hat eingekauft, sie hat das Personal in der Hand gehabt, sie hat die Investitionen bestimmt, sie hat die Entscheidungen getroffen.“ Rieger, seit damals nur mehr Buchhalter und „Hausl“ (eine Art Mädchen für alles), streut seiner Tochter Rosen: „Sie ist freundlich und nett, kann mit der Kundschaft reden, und – besser als ich früher – auch das Personal führen. Sie macht das hervorragend, sie ist eine blendende Verkäuferin.“ Reibereien hätte es hingegen „überhaupt nicht“ gegeben, so der rüstige Unternehmerinnen-Vater.


Die perfekte Übergabe

Mit anderen Worten: Den beiden ist so etwas wie die perfekte Übergabe des Unternehmens gelungen, „völlig nahtlos“, wie beide betonen. Auch ohne externe Beratung wusste der ehemalige Wirtschaftskammer-Funktionär eben, worauf es ankommt. Die finanzielle Basis zum Beispiel. Während andere Übergeber vorher noch Kassen und Konto geplündert hätten, wäre seiner Tochter von Anfang an ein gesundes Unternehmen mit ausreichend Geld zur Verfügung gestanden, so Rieger. Sein wichtigster Tipp für angehende Übergeber ist da nur „Jeder muss sich seine Nase selbst anhauen und soll ruhig kleine Fehler machen, dadurch lernt man.“konsequent: „Einen ordentlichen Betrieb ohne finanzielle Schwierigkeiten übergeben und Hand vor den Mund.“ Nachsatz: „Jeder muss sich seine Nase selbst anhauen und soll ruhig kleine Fehler machen, dadurch lernt man.“ Die Rente für den Senior, die bei der Übergabe gemeinsam beschlossen wurde, rundet das Bild einer Win-Win-Situation für alle Generationen noch ab. Und um halb sechs Uhr abends radelt Rieger dann wieder zum Geschäft. Ganz so, wie es sich für einen braven „Hausl“ gehört. Und Rieger, demnächst 80, lacht zufrieden. Bescheidenheit ist eben wirklich eine Zier.

 
 

Spielwaren Heinrich Beyerl

Maria Pichl

Landstraße 31

4020 Linz

Tel. & Fax: 0732/771685