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Tischlerei 4.0

Modernisierungsschub nach erfolgreicher Übergabe

Lambert Handl bringt frischen Wind in die traditionsreichen Hallen der von seinem Urgroßvater begründeten Tischlerei. Doch anfangs galt es auch, Widerstände zu überwinden.

 
Es war der größte Auftrag in der Unternehmensgeschichte. Schwarze Hochglanz-Möbel im Wert von etwa einer halben Million Euro, gefertigt exakt nach den Vorgaben des französischen Star-Architekten Jean Nouvel. Bestimmt für den öffentlichen Bereich und das Panoramarestaurant des 2010 eröffneten Sofitel Vienna Stephansdom. Kein Klax für ein Familienunternehmen, dessen Jahresumsatz maximal beim dreifachen Wert liegt, erinnert sich Lambert Handl. Handl, heute 33 Lenze jung, hatte damals gerade erst seit einem Jahr das Unternehmen von seinem Vater übernommen gehabt. Doch der Großauftrag im 2. Wiener Gemeindebezirk wird zum Erfolg. Handl: "Das waren schöne Aufträge, auch weil sie von der Ausführung so aufwändig waren. Es gibt nicht viele Firmen, die das in Eigenproduktion individuell nach Architektenwunsch fertigen können.“
 
Tischler-Tradition
Die Anfänge des Unternehmens gehen auf das Jahr 1906 zurück: Damals hatte Lambert Handl I. – der Urgroßvater des heutigen Firmenchefs – die Türen seiner Bau- und Möbeltischlerei in Dobersberg im Bezirk Waidhofen an der Thaya aufgesperrt. Gut ein halbes Jahrhundert später erweitert Sohn Lambert II. den Betrieb um einen Möbel-Schauraum im Ortszentrum, 1969/70 folgt ein neues Firmengebäude. Der Übergang von der dritten auf die vierte Generation indes schien längere Zeit keineswegs eine ausgemachte Sache gewesen zu sein. Lambert Handl junior, der nach der HTL an der Wirtschaftsuniversität Wien inskribiert hatte (und noch an seiner Diplomarbeit feilt), gesteht: "Unausgesprochen war die Nachfolge nie eine Frage. Aber ich selbst war mir nicht so sicher.“ Vor einigen Jahren setzt sich dennoch die Erkenntnis der Möglichkeiten durch: "Ich habe gesehen, dass man erfolgreich in der Branche sein kann, sich einen Gestaltungsspielraum schaffen und seine eigenen Vorstellungen umsetzen kann.“ Verantwortung übernehmen und "positive Identifikationsräume“ schaffen – das reizt den jungen Niederösterreicher.
 
Strategie-Workshop
Ab dem Jahr 2007 beteiligt sich Handl gemeinsam mit anderen Tischlern des Kooperationsverbundes "Thayataler Tischler“ an einer letztlich enorm wichtigen Strategie-Workshopreihe. Lambert Handl im Rückblick: "Dieser Erfahrungsaustausch mit den Kollegen hat sicher zu unserem Prozess beigetragen, viele der Betriebe sind ja ebenfalls übergeben worden, und die Nachfolger haben ihre Erfahrungen geschildert.“ Die Einbringung des Einzelunternehmens in die Tischlerei Handl GmbH im Jahr 2008 ist so eine direkte Folge dieser
"Ich wollte mich vorrangig um die eigene Produktion kümmern.“
Überlegungen. Am
1. Oktober 2009 übernimmt Lambert Handl IV. nach intensiven Vorarbeiten und umfangreichen Renovierungsarbeiten die Geschäftsführung. Vater Lambert Handl III. für seinen Teil packt weiterhin mit an, vor allem im Verkauf bei der Betreuung der Stammkunden.“ Doch auch Mutter Brigitte ist hochaktiv und agiert als Geschäftsführerin der vor einigen Jahren abgespaltenen Möbelhandelsfirma Handl Wohnen GmbH, die auch industriell gefertigte Möbel anderer Hersteller, Polstermöbel und Haushaltsgeräte anbietet. Sohn Lambert: "Mich hat der Handel operativ nicht wahnsinnig interessiert. Ich wollte mich vorrangig um die eigene Produktion kümmern.“
 
Büros & Läden
Der Löwenanteil des Tischlerei-Umsatzes entfällt heute auf Geschäftskunden, also die Bereiche Büromöbel und Ladenbau. So werden beispielsweise ergänzende Produkte zum Sortiment eines weltweit führenden Büromöbelherstellers gefertigt. Handl: "Es gibt in Büros repräsentative Räumlichkeiten, die dann meistens individuell gestaltet werden sollen. Der Empfangsbereich, manchmal Besprechungsräume, Büros der Geschäftsleitung, Miniküchen, oder Garderoben. Da kommen wir ins Spiel und können in der Regel hochwertig und individuell anbieten.“ Das Unternehmen, das mittlerweile 17 Mitarbeiter beschäftigt, kann aber auch im Ladenbau-Segment namhafte Kunden vorweisen. So entstehen die Filialeinrichtungen einer großen Bäckerei-Kette ebenso in Handls Hallen wie Automatenverbauten für Selbstbedienungs-Kaffee. Für Handl ist der Ladenbau mittlerweile zum perfekten Ausgleich für das enorm konjunkturabhängige Geschäft mit Büromöbeln geworden. Und sogar ein bekannter Möbelriese aus Schweden bestellt Einrichtungen für seine Österreich-Häuser gerne in Dobersberg.
 
"Widerstand unterschätzt“
Angesichts der steigernden Herausforderungen war Handl von Anfang an klar gewesen: Eine Modernisierung vor allem auch des Maschinenparks samt entsprechender Großinvestition ist unverzichtbar. Hobel und Tischkreissäge waren nämlich gestern, heute sind eine automatische Plattensäge und ein computergesteuertes CNC-Bearbeitungszentrum Stand der Technik.  Parallel dazu galt es, die klassische Werkstättenfertigung in Richtung Arbeitsteiligkeit weiterzuentwickeln. "Das war im Vergleich zu vorher schon ein großer Sprung“, gibt Handl zu, und gesteht auch Probleme ein. Der Jungunternehmer: "Ich habe die Reaktion der Mitarbeiter auf so große Veränderungen unterschätzt. Der Widerstand, der da entstanden ist, war sicher größer als ich geglaubt hätte.“ Doch Handl stellt sich zunächst einmal selbst an die neuen Maschinen, zeigt wie’s geht und bleibt im Übrigen konsequent. Nachsatz: "Dieser Prozess ist noch nicht ganz abgeschlossen, und die nächsten Investitionen sind auch schon in Planung.“
 
Berater & Kinder
Wichtig für die erfolgreiche Unternehmensnachfolge waren auch externe Berater. Der Reigen spannt sich von der bereichsübergreifenden Beratung durch die Wirtschaftskammer, über die Gespräche mit dem Leiter des Gründerservice in Gmünd bis hin"Ich möchte die Firma so führen, dass man sie eines Tages auch verkaufen könnte.“ zur professionellen Begleitung des Prozesses inklusive Übergabevertrag durch Notar und Steuerberater. Handl: "Es hilft oft schon, seine Überlegungen mit anderen zu teilen und so im Gespräch neue Anregungen zu bekommen, was vielleicht noch nicht so durchdacht ist.“ Handl, der sich auch im Rahmen der Jungen Wirtschaft engagiert und so mit anderen JungunternehmerInnen vernetzt: "Es kann halt nie schaden, sich umfassend zu informieren.“ Bleibt nur noch die Gretchenfrage zu beantworten: Gibt es auch schon einen Lambert V.?
Die gute Nachricht: Ja, jedenfalls im zweiten Vornamen. Aber wer weiß, vielleicht wird eines Tages auch Handls Tochter die Tischlerei-Fäden ziehen? So oder so. Handl IV. will die Firma gerne in der Familie weitergeben. Und denkt trotzdem auch in Alternativen: "Ich möchte die Firma so führen, dass man sie eines Tages auch verkaufen könnte.“
 
 
Handl Wohnen GmbH
Lambert Handl
Waidhofenerstr. 1-3
3843 Dobersberg
Tel.: 02843 26567
Fax: 02843 26567