th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin google-plus facebook whatsapp arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home

Übergabe unter Freunden

Ein "schmuckes" Unternehmen

Beim Geld hört sich die Freundschaft auf, heißt es. Nicht so in der Steiermark, wo freundschaftliche Handschlagqualität die Zukunft einer Geschäftsidee gesichert hat.

 
Eine eingefärbte Modelliermasse, die in einem speziellen Verfahren so gebrannt wird, dass sie am Ende an Schaumkorallen beziehungsweise Vulkangestein erinnert: Das ist die Basis einer erfolgreichen Geschäftsidee, mit der zwei Frauen im Bezirk Weiz seit 2009 Furore gemacht haben. Individuell gestaltete Schmuckstücke, Wappensets und Wappenknöpfe sowie Accessoires, erhältlich in vielen verschiedenen Farben und Stilrichtungen von Pastell bis Klassik, aber oft mit einem Nahverhältnis zur Tracht: Die diplomierte Krankenschwester Sylvia Knaus und die Einzelhandelskauffrau Veronika Kulmer waren von der Nachfrage nach ihren in Handarbeit gefertigten Produkten schon bald – im wahrsten Sinn des Wortes – überwältigt gewesen. Anfang 2011 zeigt sich, dass bedingt durch den "extremen Kundenzuwachs“ der Zeitaufwand und auch die nötige Risikobereitschaft zu niedrig angesetzt worden waren. Veronika Kulmer, die vom Start weg als Konsulentin für ihre Freundin Sylvia tätig gewesen war, war dennoch optimistisch: "Man sah, dass daraus ein tolles Unternehmen entstehen kann.“
 

Kritischer Moment

Alles schien also gut zu laufen. Bis zu dem Tag, als Sylvia Knaus aus familiären Gründen eine spontane Entscheidung treffen musste: Sie macht Schluss, kann den nötigen Zeitaufwand nicht mehr bewältigen. Und kann es sich gleichzeitig aber nicht vorstellen, dass die mittlerweile beliebte Handwerkskunst des "Kunst-Duos“ – so die Firmenbezeichnung – völlig vom Markt verschwindet. Das Naheliegende wird Realität: Veronika Kulmer übernim "Ich sagte mir immer: Einmal will ich selbstständig sein, mit Personal und allem was dazugehört.“ mt das Ruder. Sie erinnert sich: "Ich musste mich schnell für die Übernahme entscheiden.“ Die Motivation: "Ich bin  eine zielstrebige, dynamische und gerne in die Zukunft blickende Frau. Außerdem wollte ich ausprobieren, wie weit man mit Spontanität, Fleiß und Zielstrebigkeit kommt.“ Kulmer, die in Sankt Wolfgang mit sechs Brüdern aufgewachsen ist, musste sich von klein auf durchsetzen. Das war gut für das Selbstbewusstsein, wie sie heute findet. Kulmer: "Ich sagte mir immer: Einmal will ich selbstständig sein, mit Personal und allem was dazugehört.“ Anfang 2011 war diese Chance schließlich zum Greifen nah:
 

K&K Trachtenschmuck

Nach den ersten gemeinsamen Gesprächen der beiden Freundinnen zu Jahresbeginn und einem "Follow me“-Frühstück im Februar kommt man im Monat darauf rasch auf einen grünen Zweig. Eine vollständige Aufstellung samt Errechnung des Firmenwertes führt zu einer raschen Einigung. Für das Kunst-Duo ist dabei Handschlag-Qualität eine Selbstverständlichkeit. Kulmer: "Uns war immer wichtig, dass Freundschaft an erster Stelle steht.“ Der langen Rede kurzer Sinn: "Anfang April 2011 übernahm ich die Firma.“ Da die Produktion in Handarbeit mehr Personal erfordert, riskiert Kulmer gleichzeitig "mit mehr Personal voll durchzustarten.“ Rund 100.000 Euro hat die 45jährige im Vorfeld investiert, um mittlerweile bereits zu fünft Hand anlegen zu können. Nachsatz: "Ich habe mit meinem Mann Gerhard einen tollen Partner, um im Bereich Neukundenaufstockung und für kreative Entwürfe tätig sein zu können.“
 

WKO: "Tolle Unterstützung“

Vieles an dieser Nachfolge-Geschichte – die Branche, vor allem aber das Zusammenspiel von Übergeberin und Nachfolgerin – ist ungewöhnlich, findet auch Andreas Schlemmer, Regionalstellenleiter der Wirtschaftskammer Steiermark in Weiz. Schlemmer: "Als nicht-zentrale Region sind wir stolz auf Betriebe in diesen kreativen Bereichen. Sie sind unabhängig vom Standort und bereichern das Wirtschaftsangebot.“ Nur konsequent, dass Schlemmer immer ein offenes Ohr für die frischgebackene Unternehmerin gehabt hat. Veronika Kulmer: "Ich bekomme in jedem Bereich immer wieder tolle Unterstützung von meinem Regionalleiter.“ Der "ständige“ Kontakt zur Wirtschaftskammer samt Erfahrungsaustausch im Rahmen von "Frau in der Wirtschaft“ hätte sich somit als überaus hilfreich erwiesen. Gründerin Sylvia Knaus hingegen zog sich sofort mit der Übernahme zurück. Als gute Freundinnen sehen sich die beiden Frauen aber natürlich weiterhin. Die unternehmerische Freude hält auch nach dem ersten Jahr als neu geformtes "Kunst-Duo“ weiter an. Das Credo: "Regionalität wurde bei uns immer groß geschrieben. Mit dem K&K Trachtenschmuck kann ich wieder in dieser Richtung tätig sein.“
 

Der wichtigste Mitarbeiter

Und wie funktioniert eigentlich der Vertrieb? Kulmer erklärt: "Unsere Schmuckstücke orientieren sich halbjährlich passend an den neuen Textilkollektionen.“ Nach dem "wichtigsten Sprungbrett und ersten Kontakthändler“, einem Trachtenmode-Traditionsbetrieb in Studenzen, haben sich auch schon weitere Kanäle aufgetan. Viele bedeutende größere und kleinere Händler, die österreichweit im Trachtenbereich tätig sind. Organisatorisch ist eine perfekte Arbeitseinteilung Pflicht, um vorausschauend Reserven bilden zu können und andererseits bei Bestellungen sofort per Hand fertigen zu können. Kulmer gesteht: "Diesen enormen Arbeitsaufwand schaffe ich nur mit der Unterstützung meines Ehemannes, der neben einer Angestellten und Heimarbeiterin auch mein wichtigster Mitarbeiter ist.“
 

Bauchgefühle

Und was können andere Nachfolger und Nachfolgerinnen vom steirischen Kunst-Duo – mittlerweile gebildet aus Veronika und Gerhard Kulmer – lernen? "Wichtig ist es, sich zu trauen und etwas zu riskieren“, so Kulmer. Und mit Vertrauen in die Leistungen des Personals könne "Der erste Gedanke – mein Bauchgefühl – war und ist immer mein bester Ratgeber.“ man sich dann schon einmal auch "etwas weiter aus dem Fenster lehnen“. Entscheidend sei es auch, immer finanzielle Reserven zur Verfügung zu haben, um "Durststrecken und Auflagen von Behörden“ gleichermaßen durchstehen zu können. Ein absolutes Muss: erstklassige Qualität, gute Kundenbetreuung sowie termingerechte und prompte Auslieferungen. Und auch einem ganz besonderen Ratgeber schenkt Kulmer ebenfalls Gehör: ihrer inneren Stimme. Veronika Kulmer: "Der erste Gedanke – mein Bauchgefühl – war und ist immer mein bester Ratgeber.“
 
 
Veronika Kulmer
K&K Kunstduo
A-8321 St. Margarethen an der Raab 316
0664/5626883