th share video content contact download event event-wifi cross checkmark close xing wko-zahlen-daten-fakten wko-wirtschaftrecht-und-gewerberecht wko-verkehr-und-betriebsstandort wko-unternehmensfuehrung wko-umwelt-und-energie wko-steuern netzwerk wko-innovation-und-technologie wko-gruendung-und-nachfolge wko-bildung-und-lehre wko-aussenwirtschaft wko-arbeitsrecht-und-sozialrecht twitter search print pdf mail linkedin google-plus facebook whatsapp arrow-up arrow-right arrow-left arrow-down calendar user home

Zurück zu den (Haar)Wurzeln

Das Gute liegt oft so nah – auch bei dieser besonderen Betriebsnachfolge.

Egon Oberhauser übernimmt das Ruder just in jenem Friseursalon, in dem er einst selbst sein Handwerk gelernt hat. Eine Nachfolge mit Vorbild-Charakter.


Wir schreiben das Jahr 1912. Es ist das Jahr, in dem die Titanic auf ihrer Jungfernfahrt untergeht. Im steirischen Gleisdorf hingegen, das in jenen Jahren durch den Bau eines Wasserkraftwerks einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, gehen neue Sterne auf. Etwa der von Franz Praßl, der in diesem Jahr in die 20 Kilometer östlich von Graz gelegene Gemeinde kommt und im „Pfeiffer-Haus“ einen Frisiersalon eröffnet. Die ganze Familie arbeitet im Betrieb mit, sogar am Sonntag wird bis in den frühen Nachmittag hinein offen gehalten, um Kirchgängern aus der Umgebung einen Friseurbesuch zu ermöglichen. Ähnlich bemerkenswert ist auch das Equipment jener Tage: „Die Onduliereisen (Anm.: eine Art Lockenstab) wurden auf Spiritusbrennern erwärmt“, erinnert sich Waltraud Strommer im Gleisdorfer Stadtjournal. Und Strommer weiß, wovon sie spricht: Als Enkelin des Gründers hat sie den Beruf quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Nach dem Umzug an den heutigen Standort, nach Vergrößerungen des Geschäfts und vielen erfolgreichen Jahrzehnten als Firmenchefin hat Strommer am Ende aber ein Problem: Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin sind nicht in Sicht.

Ich habe den Draht zu den Kunden nie verloren.

Nachfolger so nah

Doch was dann kommt, taugt als Vorbild für viele Traditionsunternehmen, deren Zukunft nicht aus den Reihen der eigenen Familie gesichert werden kann. Im Falle des Gleisdorfer Friseur-Fixsterns besinnt sich Waltraud Strommer eines jungen Mannes aus dem nahe gelegenen St. Margarethen: Egon Oberhauser. Der 1971 in Graz geborene Oberhauser hatte nämlich selbst einst seine Lehre als Friseur und Perückenmacher im Salon Praßl absolviert. elbst während seines Jobs als Außendienst-Mitarbeiter eines Herstellers von Styling- und Pflegeprodukten beziehungsweise später in einem großen Pharmakonzern bleibt Oberhauser dem Unternehmen verbunden und steht jeden Samstag als Verstärkung im Geschäft. Logische Konsequenz: „Ich habe den Draht zu den Kunden und zu meinen Kollegen nie verloren.“ Und so reift in Waltraud Strommer die Idee, Oberhauser die Unternehmensnachfolge anzubieten. Im Frühjahr 2011 finden die ersten Gespräche statt, und der damals 39jährige zögert nicht lange. Oberhausers Motivation: „Einen Salon mit so einem enormen Kundenpotenzial und einem fantastischen, ehrgeizigen Team zu führen, das kann man sich nur wünschen.“


Die Übergeberin hat mich von Anfang an begleitet und bestärkt.

Abschied und Neubeginn

Dann geht es Schlag auf Schlag: Um sich optimal auf die Übernahme vorzubereiten, kündigt Ehefrau Bia ihren Job, um sich – gleichsam als Vorhut und unter Führung von Waltraud Strommer – einzuarbeiten und direkt vor Ort wertvolle Erfahrungen und Einblicke zu sammeln. Bereits im Sommer wird dem staunenden Team der neue Chef (und die neue Chefin) präsentiert. In der Zwischenzeit leistet die Regionalstelle Weiz der Wirtschaftskammer Steiermark als Ansprechpartner in Sachen Gründerservice wertvolle Hilfestellung, und greift dem angehenden Unternehmer unter anderem in Sachen Behörden-Ansuchen unter die Arme. Besonders wichtig in dieser Phase ist die Hilfe der Übergeberin. O-Ton Egon Oberhauser: „Waltraud Strommer hat mich von Anfang an begleitet und bestärkt.“ Letztlich nehmen sich die Beteiligten fast ein Jahr für die konkrete Planung und Umsetzung der Übergabe Zeit, die am 1. April 2012 schließlich offiziell erfolgt. Dass Oberhauser und sein Team gleich zum Start eine große Abschieds-Überraschungs-Party für die liebevoll „Mecky“ gerufene Übergeberin Waltraud Strommer steigen lassen, zeugt von der freundschaftlichen Natur dieser Betriebsnachfolge.

Fließender Übergang

Dabei ist das Wort „Abschied“ genau genommen ohnedies übertrieben. Auch nach 38 Berufsjahren lässt es sich die 57 Jahre junge Übergeberin nach wie vor nicht nehmen, jeden Donnerstag weiterhin für ihre (Stamm)Kunden da zu sein. Und gleichzeitig ihren Nachfolgern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Oberhauser: „Sie wird das auch die nächsten Jahre weiterhin so leben, da sie nach 38 Berufsjahren noch immer nicht müde ist.“ Nachsatz: „Waltraud Strommer ist mein Vorbild.“ Und diese Einstellung passt auch perfekt zum unternehmerischen Ansatz des heute 42jährigen, der einerseits die erfolgreiche Philosophie des Traditionsbetriebs weiterführen, aber andererseits natürlich auch neue Ideen einbringen will. Neben der erfolgreichen Kundenansprache über Mundpropaganda („noch immer die beste Werbung“) und Facebook speziell für die junge Zielgruppe gehört etwa der alljährliche karitative Flohmarkt zu diesen neuen Ideen. Der Firmenchef: „Es gibt sehr viele Kunden, die eine sehr weite Anreise – etwa aus Wien oder Bad Aussee – in Kauf nehmen, um sich bei uns verwöhnen zu lassen.“

Jeder Tag ist eine neue Chance.

Die Chefin hinter dem Chef

Der Flohmarkt ist übrigens eine Idee von Bia Oberhauser, die im Unternehmen viele Fäden zieht. Sie übernimmt „alles was im Hintergrund passiert“, kümmert sich um die mittlerweile 15 Mitarbeiterinnen, die Rezeption und die Buchhaltung. „Für diese Dinge ist meine Frau zuständig, ich bin an der Front und mit Leidenschaft Friseur“, erklärt Egon Oberhauser. Dass auch das Team – darunter drei ausgebildete Visagistinnen – perfektes Haarstyling mit viel Herz verbindet, beweist das zufriedene Kundenfeedback auf der Facebook-Seite des modernen Salons. Damit das so bleibt, muss auch einmal Geld für ein Seminar in die Hand genommen werden. Oberhauser: „Da mein Team sehr kreativ und experimentierfreudig ist, darf ich nicht vergessen, in meine Mitarbeiterinnen zu investieren.“ Und noch einen Tipp für alle, die es ihm gleichtun wollen, hat der Steirer auf Lager: „Nie aufgeben, immer nach vorne schauen, jeder Tag ist eine neue Chance.“ Und: „Immer den eigenen Prinzipien treu bleiben und authentisch sein.“


Friseur Praßl
Egon Oberhauser
Ludersdorf 60, 8200 Gleisdorf
T +43 3112 2524

www.friseur-prassl.at