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"Nichts dem Zufall überlassen"

Lust und Brot

Eine Gründerin in den besten Jahren: Die 48jährige Burgenländerin Anita Keiper hat sich in der Grazer Literatur- und Werbebranche einen Namen gemacht.

 
Mit 46 Jahren, da fängt das Unternehmerinnen-Leben an. Und Anita Keiper hat sichtlich Spaß daran. Doch der Reihe nach: Im Oktober 2007 gründet die gebürtige Burgenländerin die Werbe- und Textagentur "textzentrum graz“, und wenige Monate darauf die "edition keiper“, einen Stadtverlag, der hauptsächlich Literatur aus der Steiermark verlegt. Keipers Weg zur selbstständigen Unternehmerin und Verlegerin hat dabei einen Ausgangspunkt, der doch einigen erfolgreichen Selbstständigen vertraut vorkommen könnte: "Stellen Sie sich vor, Sie fahren auf einer Straße mit einem Ferrari hinter einem Traktor her – so ungefähr habe ich mich gefühlt, ständig gebremst und ohne Chance, den Traktor zu überholen.“ Mit anderen Worten: Der Job in einem Sprachen-Fachinstitut in Graz, wo Anita Keiper zehn Jahre lang den Publikations- und PR-Bereich aufgebaut hatte, ist nicht mehr Herausforderung genug.
 

Kinder und Karriere

"Ich hatte zeitweise ein Gefühl, als würde ich verhungern“, erzählt die Jungunternehmerin, nicht ohne auf ihre persönlichen Schwierigkeiten hinzuweisen, sich "in einem Betrieb mit Strukturen und Vorgesetzten“ zu bewegen. Ein Lied somit, das nicht wenige Unternehmer einmal – in der einen oder anderen Ausprägung – in ihrem Gehörgang vernommen haben. Faktum ist aber auch: Frauen gründen oftmals anders als ihre männlichen Kollegen. Oder an einem anderen Punkt ihrer persönlichen Vita. Zum Beispiel erst dann, wenn die Kinder aus dem Gröbsten heraus sind. Anita Keiper, die ursprünglich Anglistik/Amerikanistik und Deutsche Philologie für das Lehramt (ohne Abschluss) studiert hat, ist so ein Beispiel. Vor allem die Geburt ihres zweiten Kindes hatte 1991 doch zu einem langjährigen Karriere-Intermezzo der damals als Übersetzerin tätigen Burgenländerin geführt. Doch dann das Jahr 2007. Die Kinder sind mittlerweile 16 und 24 Jahre alt, auch an der Familien-Front steht dem Aufbruch zu neuen Ufern nichts mehr entgegen.

 

Wirtschaft trifft Kunst

"Ich bin von meiner Persönlichkeit her eine leidenschaftliche Netzwerkerin, mit vielen Kontakten, die ich auch pflege.“ Kontakte, die die Gründerin heute nötig hat wie einen Bissen Brot. Apropos Brot: "Der Verlag ist unsere Lustschiene, das Textzentrum unser Broterwerb“, hat Keiper einmal formuliert, und sieht die Sache auch heute noch so: "Das textzentrum graz ist nach wie vor unsere Brotschiene, hier arbeiten wir mit der Wirtschaft und sehr eng mit dem Bildungsbereich zusammen, diese Auftragsarbeiten haben immer Priorität.“ Der Verlag hingegen führt in die Literatur- und Künstlerszene. 

Jedes Projekt, dass wir hier machen, ist abwechslungsreich, spannend, lustvoll und getragen von Begeisterung.
Anita Keiper

Abwechslungsreich ist somit auch das Portfolio des Unternehmens, das eine Vollzeit-Kraft und fünf freie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt. Von Drucksorten, Firmenbroschüren und Webauftritten bis hin zu anspruchsvollen Sprach-Miniaturen im Verlag spannt sich der Bogen.

 

ABC-Schütze im Business Incubator

Angesprochen auf die Wurzeln ihrer Geschäftsidee kommt Keiper auf ihr erstes eigenes Buch "Der kleine ABC-Schütze“ zu sprechen. Ein Buch, das sie anno 1967 geschenkt bekommen hatte und das auch heute noch an einem Ehrenplatz im Büro der erfolgreichen Geschäftsfrau aufbewahrt wird. Anita Keiper: "Durch dieses Buch wurde meine Leidenschaft für Bücher und Texte geweckt. Alles, was ich je beruflich in Angriff genommen habe, hatte mit Sprache, Text, Gestaltung oder Büchern zu tun.“ Doch wer bei so viel Schwärmerei an eine verträumte Künstlerin mit vielen Illusionen denkt, irrt. Vielmehr handelt es sich bei der Textzentrum-Gründerin um eine Viel-Arbeiterin, die die Idee zur Selbstständigkeit langsam entwickelt und sich profund vorbereitet hat. Dementsprechend bescheiden waren die Anfänge, in einem 20-Quadratmeter-Büro im Business Incubator Graz (www.gruenderinnenzentrum-stmk.at), dafür aber ausschließlich mit Eigenkapital und natürlich auf Basis eines Business-Plans.

 

Gründerservice statt Glücksrittertum

Im Vorfeld hatte Anita Keiper mehrere Monate lang an der Gründungsidee und am Firmenkonzept gearbeitet, das Potenzial ausgelotet, sich mit Mitbewerbern auseinandergesetzt und ihre "Überlebenschancen“ analysiert. Keipers eindringliche Warnung: "Nichts dem Zufall überlassen. Das ist ganz, ganz wichtig, damit es kein böses Erwachen gibt.“ Nur konsequent, dass die Neo-Unternehmerin von Anfang an auch auf die Hilfe des Gründerservices der Wirtschaftskammer Steiermark gesetzt hat: "Großartig beim Gründerservice war die positive Stimmung, die grundsätzliche Unterstützung und die vielen Tipps" "Großartig beim Gründerservice war die positive Stimmung, die grundsätzliche Unterstützung und die vielen Tipps, vor allem was die Reihenfolge der Gründungsschritte und die Gewerbeanmeldung betrifft“, zeigt sich Keiper noch heute begeistert. So konnten bei Fragen im Zusammenhang mit dem gewünschten Firmenbucheintrag, bei der Durchsetzung des anfangs strittigen Firmenwortlauts oder auch bei der Bestimmung der anzumeldenden Gewerbe geholfen werden. Die Gewerbeanmeldung erfolgte am Ende übrigens elektronisch, direkt vor Ort in den Räumlichkeiten der Wirtschaftskammer. Keiper: "Das sind unglaubliche Erleichterungen, wenn man ohnehin nicht weiß, wo man zuerst anfangen soll.“

 

Tipps & Tricks

Wer so professionell, behutsam und bestens vorbereitet ein (oder eigentlich zwei) Unternehmen aus der Taufe gehoben hat, kann auch auf einen wertvollen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Für angehende Gründer und Gründerinnen greift Anita Keiper gerne tief in die Kiste mit der Aufschrift "Tipps und Tricks“. Erster Ratschlag: "Es langsam angehen, einmal Fuß fassen und sich sicher fühlen in dem, was man tut und anbietet. Wenn man sich selbstständig macht, muss man in diese Rolle erst hineinwachsen, und dafür sollte man sich "Man soll bloß nicht glauben, dass man alles alleine schafft" Zeit geben.“ Entscheidend sei aber auch, die eigenen Beweggründe zu hinterfragen und nicht nur einfach "der eigene Chef“ sein zu wollen, gleichzeitig aber mit den unvermeidlichen Unsicherheiten fertig zu werden. Vor allem aber sei die Bereitschaft ausschlaggebend, viel Zeit, Energie und Know How zu investieren und sich darüber klar zu werden, dass "die Familie darunter leidet.“ Keiper abschließend: "Hier braucht man Unterstützung. Und man soll bloß nicht glauben, dass man alles alleine schafft.“

 

Textzentrum e.U. – Anita Keiper

Puchstraße 17, A-8020 Graz

Tel.: +43(0)316 269298

Fax: +43(0)316 269299

Internet: www.textzentrum.at, www.editionkeiper.at